14.12.2019 | 03:57 Uhr
 
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Backup-Software ACRONIS macht Probleme (19.11.2019)
Es geht um die Software "Acronis True Image" (Versionen 2020, 2019, 2018 und 2017), die mittlerweile sehr seltsame "Verhaltensweisen" an den Tag legt.

Wir beschreiben nachstehend, was im Einzelnen passiert und wie das Problem behoben werden kann (Update 03.12.2019: und warum wir die Software nicht mehr verwenden).



Sachverhalt:

Man richtet einen Backup-Task mit automatisch wiederkehrenden  (z.B. täglichen) Sicherungen (z.B. 1 Basis Backup plus 29 inkrementelle oder differentielle Sicherungen) auf ein NAS oder eine extern angeschlossene Festplatte sowie einer automatischen Bereinigung (z.B. Speicherung von max. 3 Sicherungssätzen) ein und lässt sich zusätzlich über den Erfolg oder das Fehlschlagen des Backups per E-Mail benachrichtigen. Nach erfolgtem Backup soll der Rechner herunterfahren (z.B. wenn die Sicherung nachts läuft).
So weit so gut...das funktioniert ein paar Tage lang, dann bekommt man plötzlich keine E-Mail-Benachrichtigung mehr und schaut nach. Böses Erwachen, denn die Backup-Optionen wurden auf den Standard (Default) zurückgesetzt, d.h. die E-Mail-Benachrichtigungsoption fehlt komplett, die automatische Bereinigung ist deaktiviert und das Backup-Schema stimmt nicht mehr mit den gemachten Einstellungen überein. Auch läuft der Rechner wider Erwarten am Morgen, weil die Einstellung des Herunterfahrens ebenfalls obsolet ist.

In Einzelfällen kann es auch sein, dass das Backup bzw. der Backupsatz fehlt, d.h. die Sicherungen komplett gelöscht wurden und fortan keine mehr erstellt werden :-(.



Die Verärgerung könnte nicht grösser sein:

Wir haben diese Problematik insgesamt auf 84 Rechnern (unserer Kunden aber auch selbst) erleben müssen (Update 03.12.2019: mittlerweile sind über 140 Rechner betroffen). Das Verständnis für die Problematik seitens der Kunden ist eher gering, denn diese fragen sich zu Recht, warum wir eine Software einsetzen, die so unzuverlässig läuft! Auch haben wir kein Verständnis dafür, weil viel Zeit investiert werden musste, um die Sicherungstasks wieder zu berichtigen (das Fehlverhalten trat danach erneut auf). Diesen Aufwand konnten wir verständlicherweise nicht berechnen und haben dies aus Kulanzgründen kostenlos gemacht, obwohl wir für das Ungemach nicht verantwortlich sind.

Übrigens: Das Problem taucht nicht nur bei uns oder bei unseren Kunden auf, wie man im Netz zuhauf finden kann. Siehe z.B. diesen Thread im Acronis-Forum (in englisch, bitte ganz lesen), an welchem wir auch beteiligt waren.



Das Vertrauen in Acronis ist mehr als beschädigt:

Denn wir sind der Sache auf den Grund gegangen, was wiederum nicht unerhebliche Zeit kostete, da der Acronis-Support sich ahnungslos zeigt und der Sache gleichgültig gegenübersteht (es wurde lapidar geraten, den Backuptask neu anzulegen, Problem sei unbekannt, obwohl der Aufschrei im eigenen Forum gross ist).

Was dabei herauskam, ist haarsträubend, denn es ist davon auszugehen, dass die "selbständige" Manipulation der Backup-Tasks über die Acronis-Cloud erfolgt! Ja, Sie haben richtig gelesen...

Acronis True Image installiert einen Dienst namens "Acronis Managed Machine Service Mini", der offensichtlich für die Kommunikation mit den Acronis-Servern verantwortlich ist. Da wir aber in keinem der Fälle eine Cloud-Sicherung angelegt haben, fragen wir uns, warum dieser Dienst mit den Acronis-Servern "telefoniert" und es zum nachweislichen, fehlerhaften Überschreiben lokaler Sicherungstasks von AUSSEN kommt (es geht offensichtlich nicht nur um Telemetriedaten).

Somit liegt das Problem zum Einen bei den Acronis-Cloud-Servern (Datacenter) bzw. der dort installierten Software, die "ohne Not" und ungefragt lokale Einstellungen verändert! Zum Anderen dürfte sich die lokal installierte Acronis-Software nicht ohne ausdrückliche Genehmigung mit den fehlerhaften Servern in Verbindung setzen (DSGVO!), wenn kein Cloud-Backup erstellt wird oder eine Replikation lokaler Backups in die Cloud nicht gewünscht/eingestellt ist.



Behebung des Fehlers unter Windows 7/8/8.1 und 10 für Acronis (Versionen 2017 bis 2020):

  • Dienst "Acronis Managed Machine Service Mini" beenden und anschliessend deaktivieren. Dazu unter Windows in der "Systemsteuerung" die "Verwaltung" und anschliessend "Dienste" aufrufen. Doppelklick auf den genannten Dienst und Button "Beenden" anklicken. Den Starttyp hernach auf "Deaktiviert" ändern.

    Wichtig: Nach einem Update von Acronis True Image wird der Dienst leider automatisch wieder aktiviert und muss erneut beendet und deaktiviert werden. Um während des Update-Prozesses ein Zurücksetzen/Verändern der Backup-Tasks zu vermeiden/vorzubeugen, sollte der Computer temporär vom Netzwerk getrennt werden (nach Download aber vor Installation des Updates) und erst NACH dem Beenden und Deaktivieren des Dienstes wieder online sein. Bei Notebooks bietet sich der Flugmodus an, bei Desktop-Rechnern das temporäre Deaktivieren der Netzwerkkarte.

  • Rechner neu starten und überprüfen, ob der o.g. Dienst wirklich deaktiviert ist.

  • Das Registrierungskonto innerhalb der Acronis-Software abmelden. Im Menü auf "Konto" klicken und oben rechts abmelden.

  • Die betroffenen Rechner sollten unbedingt auch aus dem Online-Dashboard entfernt werden. Dazu auf der Seite https://account.acronis.com einloggen und unter "Produkte" das entsprechende Dashboard aufrufen und die dort gespeicherten Backup-Listungen löschen.

  • Optional: Wir sind darüber hinaus soweit gegangen, dass wir firewalltechnisch jegliche Kommunikation der Acronis-Software nach und von aussen unterbinden (wir arbeiten nur mit lokalen Backups, was sich einmal mehr als richtig herausstellt). Denn wir vertrauen dem Laden nicht mehr und beugen damit evtl. weiteren (unbekannten) Fehlern vor! Aus diesem Grund raten wir auch von cloud-basierten Backups in die trübe, undurchsichtige Wolke dringend ab.

Auch diesen Workaround haben wir bei unseren Kunden zeitintensiv und kostenlos durchgeführt, obwohl wir für den Bullshit nicht verantwortlich sind - wir spielen hier den Repairman für andere, "DANKE" Acronis!

Nebenbei bemerkt: Ferner sollte man das Feature "Acronis Active Protection" abstellen/deaktivieren, weil dieser sog. Ransomware-Schutz nichts in einer Backup-Software zu suchen hat (Schuster, bleib bei deinem Leisten) und der Dienst viel Performance benötigt und  für weitere Schwierigkeiten sorgt (andere Baustelle, wird hier nicht im Detail beleuchtet). Um Ransomware vorzubeugen gibt es bessere Alternativen (z.B. Gruppenrichtlinien und Berechtigungen, professionelle Antivirensoftware...).



FAZIT:

Ob es sich bei dem Problem um Frickelei oder technisches Unvermögen seitens Acronis handelt, lassen wir dahingestellt. Mit vorgenanntem Workaround ist es vorläufig jedenfalls gelöst, wenngleich das Vertrauen dahin ist.

Acronis ist auf dem besten Weg, sich selbstverschuldet den guten Namen zu verspielen. Schade...
, denn früher war Acronis das Mass der Dinge, was die Erstellung und Wiederherstellung von Backups anging (leider lässt die Qualität von Version zu Version immer mehr nach).

Ein solches Software- und Hersteller-Verhalten (unterirdischer Support und fehlende Informationspolitik) ist einfach nicht tolerierbar und die erforderlichen Massnahmen zum Abstellen des aktuellen Problems (welche die Acronis-Gemeinde selbst erarbeiten musste, weil sich der Support tot stellt) sind keinem Anwender zumutbar!



Nachtrag 03.12.2019:

Unsere Verärgerung ist so gross (we can deal with product issues but not with horrible support), dass wir Acronis von allen unseren Rechnern verbannt haben (Backup 12.5 auf Server und True Image auf Clients, der unsrige Account bei Acronis wurde gelöscht) und auf "
Macrium Reflect"* sowie teilweise auf "dism.exe" (das mit Windows mitgelieferte mächtige Alles-Könner-Tool) umgestiegen sind. Unseren Kunden werden wir keine Acronis-Folgelizenzen mehr empfehlen, sondern vielmehr davor warnen!

*
zu Macrium Reflect: wer nicht alle Features der Home-, Workstation- oder Server-Edition benötigt, kann sich die kostenlose
Free-Edition von Macrium Reflect herunterladen, wird erstaunlicherweise auch für kommerzielle Verwendung angeboten.



Nachtrag 11.12.2019:

Mittlerweile (reichlich spät) ist ein Beitrag zum hier beschriebenen Problem in der Acronis Knowledge Base aufgetaucht, siehe:

https://kb.acronis.com/content/63819

M.E. sollte dies im Acronis Forum veröffentlicht und nicht in der KB versteckt werden. Ferner sollten alle Anwender per E-Mail unterrichtet werden (sind eh alle zwangsregistriert), damit diese Kenntnis davon haben. Denn der Artikel beschreibt zwar, dass das Problem mit den Dashboardservern (Datacenter) nun behoben sei aber das repariert noch lange nicht die ganzen verhunzten Backup-Configs von Anwendern, die das Fiasko gar nicht mitbekommen haben und sich in Sicherheit mit ihren Backups wiegen. Da wird der eine oder andere noch ein böses Erwachen erleben, wenn eine Sicherung für eine Wiederherstellung benötigt wird, die gar nicht existent ist :-(.

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